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Rundgang Gartendenkmalpflege


Ein Denkmalensemble zu entwickeln ist immer auch ein Arbeiten mit behutsamen Kompromissen, ein Abwägen von Bedeutung und Perspektiven. Heute war Alexander Niemann, Gartendenkmalpfleger vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, im Museumspark zu Besuch, um mit dem Wettbewerbssieger für die Gestaltung des Außenbereichs und die Anbindung an den Ortskern (Projektteil 2), Karl Thomanek, Frau Dr. Wera Groß von der unteren Denkmalbehörde in Strausberg und Brandenburger Gebietsbodendenkmalpfleger Dr. Matthias Baxmann die Umsetzung der Landschaftsplanerischen Vorhaben zu besprechen. Von der Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin war Sabine Löser dabei, unterstützt von Projektkoordinator Jan D. Jach. Der erste wichtige Hinweis für die Gartenplaner kam gleich zu Beginn, kurz nach der heutigen Einfahrt zur Heinitzstraße 11: Zwischen der Straße und den heutigen Schrebergärten steht eine historische Kalkstein-Stützmauer, die dringend erhalten werden muss – die Umfeldplanung des Bergschreiberamtes muss also überarbeitet werden, verläuft hier doch die geplante Rampe zum barrierefreien Zugang zum Ufer des Kanals. Im Park fällt auf, dass Stellen, die historisch keine Gärten waren, nicht überbetont werden sollen mit Beeten und Blühpflanzen. Das ist beispielsweise rund um das Magazingebäude so, das immer ein Industriebau war und Zufahrten für Material hatte – und nie Wohnzwecken diente. Dort aber, wo die Arbeiterfamilien wohnten und ihre Nutz- und Ziergärten hatten, wie es heute noch Rosenstöcke und Obstgehölze vor der Hennigsbrücke erahnen lassen, sollen die Gärten betont werden, um das Leben in der Heinitzstraße vor Augen zu führen. Dazu passen auch Haus- und Hoftiere zur Selbstversorgung, die im Tiergehege gezeigt werden: In den Höfen der Zementwerker und Bergleute meckerten Ziegen, scharrten Hühner, schnatterten Gänse, mümmelten Kaninchen in Ställen. Auch Pferde, die Karren zogen oder auf Treidelwegen Kähne zogen, gehören zum historischen Bild. Solche Umfelder und typische Tiermengen und -arten gilt es wieder herzustellen – beispielsweise sind im Tiergehege Trennwände mit historischen Hinterhoffotos denkbar.

Dringend müssen die Tische und Bänke im Außenbereich neu geplant werden, der aktuelle Zustand ist desolat, wenig einheitlich und entspricht nicht dem Charakter eines Industriedenkmal-Museumsparks.

Sofortigen Handlungsbedarf sehen alle Fachleute bei der Ansammlung von Kränen in der Mitte des Parks – seinerzeit hat ein Sammler Kräne aus verschiedensten Epochen hier untergestellt, mit Bergbau oder gar der Hauptzeit der aktiven Industrie an diesem Ort haben die Stahlkolosse jedoch nichts zu tun. Darum müssen diese Metallsaurier aus dem Park verschwinden.

Ein ergiebiger Termin also, der alle Entscheider für die denkmalgerechte Präsentation im Park zusammengebracht hat. Das ist ganz wichtig, wenn man so ein Areal konzipiert.


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